Ahlhorn

Unter den Bäumen in Ahlhorn lagen die Zapfen der Fichten verstreut auf dem Boden. Sie hatten eine magische Anziehungskraft auf die jungen Hände, die sie suchten. Emsig sammelten diese sie auf und verglichen sie miteinander. Den schönsten Zapfen auszuwählen, das erschien ihnen aber doch als unlösbare Aufgabe. Sie waren sich sicher, dass jeder dieser Zapfen, die sie im Wald in Ahlhorn gefunden hatten, auf die ein oder andere Art und Weise besonders war. Mitnehmen wollten sie letzten Endes dann doch keinen. Sie waren davon überzeugt, die Zapfen hätten hier im Wald noch eine wichtige Aufgabe. 

Wir waren an jenem Sonntagvormittag aufgebrochen, um die kleinen Abenteuer zu erleben, die man nur vor der Haustür finden kann. Draußen. Zwischen den Bäumen, entlang den Seen und Gräben. In einem Gebiet, in dem man seine Lungen mit nie enden wollender frischer Luft füllen kann. An einem Ort, an dem man einen langen Atemzug nimmt und dabei spürt das man lebt. Man schließt seine Augen und findet die Stille. Öffnet man sie wieder, sieht man wie die Sonnenstrahlen durch ein dichtes Meer von Nadeln bricht. Man findet einen Ort, an dem der Himmel mit der Erde einen innigen Dialog führt. Man erfährt ein Gefühl, dass man nur schwer mit Worten beschreiben kann. Und dürfte man nur ein Wort wählen, um jenes Gefühl zu beschreiben, würde man den Frieden wählen, denn ich glaube so fühlt sich Frieden an. Jener Frieden, den man von außen erlebt und dann ganz tief in sich spürt.   

Ich glaube, Kinder brauchen dieses Gefühl. Diese Abenteuer, die man niemals in Videospielen oder in den Displays der Smartphones finden kann. Jene Abenteuer, von denen man in den sozialen Netzwerken hört, aber sie dort nie spüren wird. Denn so sehr man sich auch anstrengen mag, den Geruch von taufrischem Moos, das Knacken der Äste oder den Gesang der Vögel erlebt man nur draußen. Vor der Haustür.    

Ahlhorn
Ahlhorn
Ahlhorner Fischteiche

Kleine Abenteuer in Ahlhorn

Es ist recht einsam, an diesem Morgen in Ahlhorn. Nur wenige Menschen begegnen uns auf den Pfaden und Wegen, die an den großen Seen vorbeiführen. Nach einem kurzen Augenblick bleiben vier neugierige Augen am Ufer des Sees stehen und blicken in die Ferne. Ein kleines Haus am anderen Ende des Sees erweckt ihre Aufmerksamkeit. Und während sie über die seichten Wellen des Wassers blicken, fragen sie sich, wer wohl in diesem Haus am Ahlhorner See wohnen mag. Sie erfinden Geschichten von alten Frauen, die unter den hölzernen Dächern leben. Sie stellen sich vor, dass sie morgens in kleinen Boten rausfahren um Fische zu angeln für das Mittagessen. Und wenn das Wetter schön ist und die Sonne warm vom Himmel scheint, baden sie in den kühlen Wellen des alten Sees. Ich lasse sie in ihrem Glauben, denn mir gefällt die Phantasie, mit der sie sich ihre Märchen selbst erzählen. Das es sich bei dem Gebäude um eine Kapelle des Blockhauses Ahlhorn handelt, interessiert sie eher weniger.

Wenig später findet der Große der zwei kleinen Männer einen ansehnlichen Ast. Dieser wird für den heutigen Tag sein Wanderstab sein, mit dem er immer wieder lustige Gesichter in den feuchten Sand malt. Die Köpfe sind Dreiecke, deren Spitze immer in die Richtung zeigen, aus der wir gekommen sind. „Damit wir wieder zurückfinden“, sagt er und zeichnet fleißig weiter. Kleine Orientierungspunkte in einer riesigen Welt. 

Hier in Ahlhorn gibt es viel zu entdecken. Neben den Seen sind es kleine Gräben und Bachläufe, die immer wieder ihre Aufmerksamkeit auf sich lenken. Und irgendwann ist es diese „riesige“ Aussichtsplattform, von der aus man den ganzen See überblicken kann. Nur ist es gar nicht so einfach, mit dem großen Wanderstab die mächtigen Stufen zu erklimmen. Am Ende gelingt es aber doch.   

Ahlhorn
Die beste Aussicht im Wald

Und doch sitzt da der Schalk im Nacken.

Wir sind oft draußen. Immer wieder. Und immer gibt es neues zu entdecken. Tief im Ahlhorner Wald entdecken wir Biwacks. Kleine Lager im Wald, errichtet aus alten Ästen und trockenem Laub. Und wieder sind es die Geschichten, die diesen Spazierganz zu einem Abenteuer machen. Plötzlich sind wir wilde Räuber, die es in den Wald verschlagen hat. Wir verstecken uns vor dem Rest der Welt. Aber nur für einen kleinen Augenblick. Den aus den Räubern werden Entdecker. Aus den Entdeckern, neugierige Fährtenleser und aus den Fährtenlesern schnell wieder freche Jungs, denen hier in Ahlhorn immer noch der Schalk im Nacken sitzt. 

Auf dem Weg finden wir einen großen Stein. Und gewonnen hat, wer ihn ohne Hilfe erklimmen kann. Während wir an dem Stein spielen, entdeckt der Große der zwei kleinen Männer, das Spaziergänger unseren Weg kreuzen werden. Schnell hecken die beiden einen Plan aus. Der Große klettert halb auf den Stein, der Kleine versteckt sich. Natürlich müssen beide lachen. So laut, dass sie in der Stille des Waldes unüberhörbar sind. Doch darüber denken sie gar nicht nach. Die beiden Spaziergänger, die wie wir in Ahlhorn unterwegs waren, nähern sich dem Stein. Der Große gibt ein Zeichen und unter zwischen zwei mittelgroßen Lachanfällen, heult der Kleine plötzlich auf wie ein Wolf. Nicht wirklich leise. Ziemlich laut. Die Spaziergänger lachen. Wir lachen. Alle lachen. 

Versteckte Hütten in den Wäldern um Ahlhorn
Spazieren in Ahlhorn
Geschlagenes Holz in Ahlhorn
Eine Brücke, die über einen Fluss in Ahlhorn führt.
Fischteich in Ahlhorn

Irgendwann kommt der kleine Hunger und die Müdigkeit setzt ein. Vielleicht sitzt die Zeitumstellung in den jungen Knochen. Und damit endet unser kleines Abenteuer in den Wäldern, an den Fischteichen von Ahlhorn. Wir kehren zurück zum Auto, orientieren uns an den Zeichnungen, die „zum Glück“ noch da sind und fahren nach Hause. Auf dem Rücksitz erzählen sich die Jungs von dem Moment, in dem sie die Spaziergänger reingelegt haben. Wir sitzen vorne und lachen uns an. Für die großen Abenteuer im Leben braucht man nicht viel. Nur Fantasie, etwas Spaß und einen Wald, in dem man Geschichten erfinden kann. In Ahlhorn ist das möglich und wir kommen ganz bestimmt noch mal zurück!