Es sind die Entscheidungen der Gegenwart, mit der wir unsere Zukunft formen. Und oft stehen wir an einem Punkt, an dem wir uns fragen: „Wie soll ich erkennen, wie man sich richtig entscheidet?“ Doch wenn wir ehrlich sind, es gibt kein Richtig oder Falsch. Denn manchmal… manchmal muss man einfach seinem Herzen folgen…

Es ist Sonntag. Recht früh. Die Sonne denkt noch nicht einmal daran, ihre volle Kraft zu entfalten und trotzdem herrscht auf der Straße schon reger Verkehr. Ganz im Gegensatz zu anderen Sonntagen, an denen für gewöhnlich das Dorf noch in einem tiefen Schlaf taumelt.

Ich laufe auf dem Bürgersteig. Neben mir hält ein Wagen. Ein Kombi. Mit Anhänger. Die Beifahrerin lässt die Scheiben runter, begrüßt mich freundlich und sagt mir zunächst, dass ich sicherlich der Richtige für ihre Frage bin. „Wo finden wir denn hier den Bauernmarkt?

Sie und ihr Mann sind Austeller. Aussteller, die ihre regionalen Produkte auf dem Bauernmarkt in Altenoythe anbieten möchten. Ich? Ich bin ein Teil des Organisationsteams und meine grüne Weste, auf dem groß das Logo des Bauernmarktes zu sehen ist, unterstreicht dieses in dezenter Form.

Ihr müsst nur der Straße hier folgen. Und da vorne, bei der Feuerwehr, müsst ihr rechts abbiegen. Aber das seht ihr schon. Daran könnt ihr nicht vorbeifahren.

Die Frau bedankt sich. Er legt den Gang ein und fährt weiter. Einige hundert Meter später setzt er den Blinker und biegt ab. Angekommen. Da bin ich mir sicher. Mein Weg führt mich zunächst zum Bäcker. Frühstück besorgen. Für das ganze Team.

Der Bauernmarkt in Altenoythe

Der Bauernmarkt in Altenoythe. Ein traditioneller Markt für regionale Produkte aus der Landwirtschaft. Direktvermarkter haben hier die Möglichkeit ihre Erzeugnisse direkt an den Endverbraucher zu verkaufen. Und neben den üblichen landwirtschaftlichen Produkten wie z.B. Käse, Fleisch oder Gemüse findet man hier viel traditionelle Handwerkskunst.

Über 10.000 Menschen strömen in jedem Jahr über den Bauernmarkt, der immer am dritten Sonntag im Oktober seine Pforten öffnet. Aus allen Städten und Ortschaften unserer Region kommen sie und für viele ist der Bauernmarkt in Altenoythe schon ein fester Bestandteil im Terminkalender. Was aus kleinen Anfängen heraus begann, beim ersten Bauernmarkt waren es vielleicht 100 Besucher, wurde zu einem der größten und interessantesten Bauernmärkte in Nordwesten Niedersachsens.

Die Organisation eines solchen Events, denn von Event kann man meiner Meinung nach schon sprechen, bedarf eines gut eingespielten Teams. Für jede Aufgabe gibt es einen Ansprechpartner. Für die Platzeinteilung, für die Elektrik, für die Wasserversorgung und natürlich waren alle anderen organisatorischen Aufgaben sind Menschen im Team, die mittlerweile Experten auf ihrem Gebiet sind. Alleine die Organisation der Tombola ist ein Kraftakt, den man sich so vielleicht nicht vorstellen kann.

Über 13 Jahre war ich ein Teil des Ganzen

Ein Bauernmarkt ist nur so stark wie die Menschen, die ihn organisieren. Und ein Markt in dieser Größenordnung organisiert nicht so nebenbei. Wichtig ist, dass sich die Mitglieder des Teams aufeinander verlassen können.

Seit über 13 Jahren war ich ein Teil des Organisationsteams. All die Jahre kümmerte ich mich um die Webseite und die Dokumentation des Marktes. Irgendwann, als Facebook modern wurde, übernahm ich zusätzlich den Social-Media Teil der Veranstaltung.

Das hat mir immer sehr viel Spaß gemacht. Das Bauernmarkt-Team ist ein gutes Team. Menschen, die sich verstehen. Teammitglieder, die sich auf Augenhöhe begegnen. Die auch neben dem Bauernmarkt eine gute Zeit miteinander haben. Eine Gemeinschaft, die nicht unbedingt nur aus Landwirten besteht, wie sich vielleicht vermuten lässt, sondern eine bunte Truppe jeden Alters.

Es geht auch ohne mich.

Irgendwann sagte Richard mal auf einer der Sitzungen, dass alles Schöne endlich sein müsse. Und ich denke, er hat recht. Alles Schöne muss endlich sein, denn wäre es nicht endlich, dann würde man irgendwann den Blick für das Schöne verlieren. Man würde das Schöne verlieren, weil es immer da ist und irgendwann zur Selbstverständlichkeit wird.

Gestern traf sich das Team zur Vorbereitung auf den Bauernmarkt 2016. Und während es für alle anderen eine ganz normale Sitzung war, so war es für mich die letzte. Mein Weg führt mich in eine andere Richtung. Ich habe bemerkt, dass ich mich verändert habe, dass mein Fokus im Leben sich verändert hat und dass ich das, was ich all die Jahre so gerne getan habe, nicht mehr mit vollem Elan und mit Herzblut mache. Und wenn man an diesem Punkt angekommen ist, dann muss man etwas ändern, denn alles, was man nur aus Pflichtbewusstsein macht oder weil man glaubt, dass man es machen muss, macht man eben nur so. Nebenbei. Die Ergebnisse sind dann sicherlich nicht zufriedenstellend. Für niemanden.

Der Bauernmarkt, das, wofür er steht und die Menschen die hinter ihm stehen, sind zu wichtig, als dass man seine Aufgaben nur halbherzig erfüllt. Denn am Ende leiden alle darunter, sind frustriert und vielleicht sogar enttäuscht. Die Konsequenz daraus ist eben jene, dass sich diese Enttäuschung und Frustration durch den Markt ziehen würde, der dadurch in seiner Qualität Einbußen hinnehmen muss. Das möchte ich in jedem Fall vermeiden. Daher ist ein konsequenter Schlussstrich die einzig richtige Entscheidung.

Wir haben immer viel gelacht.

Wenn ich mich an die vergangenen dreizehn Jahre zurückerinnere, dann fallen mir viele wunderbare Momente ein, die mir immer in Erinnerung bleiben werden. Ja, wir haben viel gelacht. Wir hatten viel Spaß und unheimlich viele tolle Momente. Nicht nur auf dem Markt selbst – der ja doch meist mehr Arbeit ist als Vergnügen. Nein, es waren die kleinen Momente, neben dem Markt. Auf den Versammlungen, den Fahrten, den Veranstaltungen. Es waren die Feiern, die Feten und die Feste. Es waren die kleinen Augenblicke, die in ihrer Summe das große Ganze ausgemacht haben.

Jedes Ende hat immer zwei Seiten. Die eine, die dem Vergangenen nachtrauert und die andere, die sich auf das Neue, das Unbekannte, das Abenteuer freut. Und wenn auch mit diesem Ende eine Last von meinen Schultern gefallen ist, so gibt es auch das tränende Auge, dass mit unendlicher Dankbarkeit auf die Vergangenheit schaut und sich die Erinnerungen wie silberne Fotos in ein goldenes Album legt.

Abschied bedeutet immer auch ein wenig sterben. Und Abschied nehmen ist immer ein trauriger Prozess, denn man verabschiedet sich immer nur von den Menschen die man mag. All das, was man nicht mag, lässt man einfach los. Doch das, was einem im Herzen bleibt, bleibt für immer. Irgendwie.

Und am Ende bleibt einem nur, Danke zu sagen. Danke für eine tolle Zeit. Großen Dank für das Engagement, das alle für die Sache aufbringen. Vielen Dank für das Verzeihen von Fehlern. Danke für jedes nette Wort. Danke für jedes Schulterklopfen. Und Danke dafür, dass man Kritik bekommen hat, auf Fehler aufmerksam gemacht wurde und für jeden Hinweis, der die Arbeit am Ende hat besser werden lassen. Und vielen Dank für den Präsentkorb, der nun wirklich nicht nötig gewesen wäre. Vielen Dank dafür.

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