Das Café am Rande der Welt

Vielleicht ist dieser Montag der beste Tag, um Dir ein Buch vorzustellen. Eigentlich zwei Bücher. Vielleicht sind diese zwei Bücher die besten Bücher der Welt. Und vielleicht, aber nur vielleicht, können diese Bücher Dein Leben verändern. Wenn Du Dich darauf einlässt. Aber wie gesagt, vielleicht. Im Grunde genommen ist es Deine eigene Entscheidung! Wie eigentlich alles im Leben. 

Ob diese Bücher mein Leben verändert haben? Wie oft im Leben passiert schon etwas, dass das Leben wirklich nachhaltig verändert? Trotzdem möchte ich Dir sagen, dass sich mein Denken verändert hat und das diese zwei Bücher mir dabei geholfen haben, Denkmuster aufzubrechen, die mir in den letzten Jahren nicht gutgetan haben. Aber vielleicht fange ich einfach da an, wo jede gute Geschichte anfängt. Am Anfang.

Manchmal trifft man in seinem Leben Menschen, zu denen man aufschaut. Aus verschiedenen Gründen. Aber nur wenige Menschen schaffen es, dass man wirklich über das nachdenkt, was diese Menschen einem erzählen. So war es letztes Jahr. Im Sommer. Auf einer Hochzeit. Während des Essens saß ich draußen und stöberte durch die Fotos, die ich an jenem Nachmittag geschossen hatte. Als ich auf der kleinen Terrasse saß und meinen Blick über den anliegenden Garten bis zu dem scheinbar grenzenlosen Wald schweifen ließ, trat eine junge Frau an mich heran und fragte, ob sie sich einen Augenblick zu mir setzen dürfe. Sie sagte mir, sie würde ganz still sein und mich nicht in meiner Gedankenwelt stören. Ich lachte und bot ihr natürlich einen Platz an, der mir, im Grunde genommen ja nicht mal gehörte. „Sie müssen aber nicht still sein, wenn sie nicht möchten. Mein Name ist Torsten. Ich fotografiere hier heute die Hochzeit.“ Dann lachte sie. Das hatte sie sich schon gedacht. 

Der Tod der eigenen Mutter hatte alles verändert. 

Wie viele andere Menschen erkundigte sich nach dem, was ich so tat. Ob es mir Spaß machen und mich erfüllen würde. Ich nickte und sagte ihr, dass die Fotografie eine unheimliche Leidenschaft sei und es mir unheimlich Spaß machen würde. Vor allem, weil man so oft mit Menschen zu tun hat, die einfach glücklich sind. Wieder nickte sie einfach nur mit dem Kopf und sagte, kaum hörbar: „Ja. Glück ist das Wichtigste im Leben.“ Dann lächelte sie wieder. Aber irgendwie leise und doch von ganzem Herzen.    


Natürlich war ich neugierig. Also fragte ich sie, was sie denn so beruflich machen würde. Sie schaute mich einen Augenblick an und sagte dann ein einziges Wort. „Nichts.“ Ich war sprachlos und irgendwie peinlich berührt. Was sagt man in so einem Augenblick? Ist sie reich? Ist sie vielleicht gerade arbeitslos geworden? Doch zum Glück unterbrach sie nach einem Augenblick die Stille. Allerdings raubte das, was sie sagte, mir erneut den Atem. 

Meine Mutter ist vor vier Monaten gestorben. Einfach so. Aus heiterem Himmel. Sie schlief einfach ein und wachte nicht mehr auf. Genau wie mein Vater einige Jahre zuvor. Doch im Gegensatz zu ihm, war sie nicht wirklich krank. Im Gegenteil. Sie war gesund, so voller Pläne. Nächstes Jahr wäre sie in den Ruhestand gegangen und wollte ab dann so viel unternehmen. Sie wollte mehr reisen. Sie wollte mehr in ihrem Garten sein und vor allem Zeit mit mir verbringen. Du musst wissen, ich war ihre einzige Tochter, ihr einziges Kind.“
Eine Träne rollte ihr übers Gesicht, die sie im nächsten Atemzug mit einem Lächeln wegstrich. Ich blieb still und hörte einfach zu. 

„Zur Beerdigung kam ein alter Freund der Familie. Und während mir alle ihre Anteilnahme aussprachen und mir eine kleine Karte mit weisen Sprüchen in die Hand drückten, nahm er mich in den Arm und gab mir ein kleines Buch. Er sagte nur, dass ich es lesen solle, wenn das alles vorbei sei. Ich dankte ihm, legte das Buch zur Seite und machte einfach weiter. Ein paar Tage später kam der ganze Kram auf mich zu. Die Sache mit meinem Elternhaus, das nun mir gehörte, Behördenkram und die Rechnungen der Beerdigung. Schön ist anders, aber es lenkt ab. Irgendwie. Und an einem Abend, als alles irgendwie geregelt zu sein schien, fiel mir das Buch wieder in die Hände. Ich setzte mich auf den Küchenstuhl, auf dem ich früher schon immer gesessen habe und begann zu lesen. Es hieß „Das Café am Rande der Welt.“ Ich hatte vorher nie davon gehört, aber die Geschichte in dem Buch half mir ungemein. Irgendwie fand ich mich dort wieder.“ 

Sie erzählte mir, dass sie nun das Elternhaus verkaufen und von einem Teil des Geldes eine lange Reise machen würde. Ihren Job, den sie sowieso scheiße fand, hatte sie aufgegeben. Nach der Reise würde sie sich etwas Neues suchen. Bis dahin würden die Reserven reichen. Sie sprach davon, sich eine Auszeit zu nehmen, um ein paar Fragen zu klären, die das Buch in ihr geweckt hatten. Ich verstand natürlich nicht wirklich, wovon sie dort sprach, wollte aber auch nicht weiter nachfragen. Wir kannten uns schließlich nicht und ich war ohnehin schon beeindruckt, dass sie mir ihre Geschichte in kurzen Worten erzählt hatte.

„Vielen Dank Torsten. Für Deine Zeit und dass ich einen Augenblick Deine Gesellschaft genießen durfte.“ Dann stand sie auf.
„Ich werde mir jetzt noch eine Kleinigkeit zu essen holen. Es riecht doch sehr verlockend.“
Mit einem Lächeln im Gesicht machte sie sich auf. Dann drehte sie sich doch noch einmal um.
„Vielleicht sehen wir uns ja mal wieder. Aber nicht auf meiner Hochzeit. Deswegen bin ich nämlich nicht hier.“
Dann drehte sie sich um und verschwand im Saal und ich fragte mich, was der letzte Satz bedeuten sollte. Doch ich kam nicht drauf. 

An dieses Buch hatte ich seit dem nicht mehr gedacht.

Ein paar Tage später dachte ich nicht mehr an diese Geschichte. Den Titel des Buches hatte ich sowieso längst vergessen. Und mittlerweile ist die Geschichte schon fast ein Jahr her. Und doch, vor ein paar Wochen, fiel mir ein kleines Buch ins Auge, dessen Titel mir irgendwie bekannt vorkam. Es war das Buch, von dem die Frau mir an jenem Abend erzählt hatte. Das Buch, dessen Titel sie nur in einem Nebensatz erwähnte. „Das Café am Rande der Welt.“ Ich erinnerte mich an jenen Sommerabend. An das, was sie mir erzählt hatte und ich fragte mich, ob sie ihre Reise wohl angetreten war. Und während dieser Abend wieder vor meinem geistigen Auge ablief, stieg in mir die Neugierde darüber, was in diesem Buch stehen würde. Also kaufte ich es.  

Ehrlich gesagt, ich will Dir jetzt gar nicht erzählen was drin steht. Nicht mal, worum es geht. Ich möchte Dir auch nicht sagen, dass Du es kaufen sollst. Das sind Entscheidungen, die Du selbst treffen musst. Was ich Dir aber sagen kann ist, dass Du Dich nach dem Lesen des Buches mit Dir selbst beschäftigen wirst. Das Fragen auftauchen, auf die Du vielleicht noch keine Antwort hast. Ich kann Dir sagen, dass diese Geschichte Dein Denken umkrempeln wird und Du Dich danach irgendwie leichter fühlst. Aber nur, wenn Du es zulässt. Wenn Du Dich informieren willst, was in dem Buch steht, findest Du im Netz viele Seiten, die Dir genau das erzählen. Ich werde es nicht tun. Aber ich kann Dir sagen, dass ich dieses Buch so großartig finde, dass ich es mittlerweile schon mehrfach verschenkt habe. Und ich kann Dir sagen, dass ich den zweiten Teil des Buches ebenfalls in einem Rutsch gelesen habe. Und das dieses Buch ein zweites Mal aufgeräumt und Dinge gerade gerückt hat. 

Natürlich weiß ich nicht, ob Du das Buch lesen wirst. Und falls Du es lesen wirst, kann ich Dir nicht versprechen, dass es Dir gefällt. Doch wenn es Dir gefällt, wirst Du auch den zweiten Teil lesen. Und wenn Du den zweiten Teil liest, wirst Du Dich mehr mit Dir selbst und Deinem Denken beschäftigen. Du wirst vielleicht feststellen, dass es keine gute Idee ist, einige Dinge im Leben auf den Ruhestand zu verschieben und vielleicht wirst Du erkennen, was Dir wirklich wichtig ist im Leben. Und jetzt, nachdem ich beide Bücher gelesen habe, verstehe ich auch, was der letzte Satz dieser jungen Frau an jenem Abend zu bedeuten hatte. Und das ist wirklich schön, denn ich kann auch immer öfter sagen: „Deswegen bin ich nicht hier!“

P.S.: Ich werde das Buch nicht verlinken. Wenn Du es lesen möchtest, wirst Du es schon finden. Davon bin ich überzeugt.