Das letzte Licht des Tages bricht durch die Kronen der alten Bäume und erreicht langsam den Boden. Ein leichter Wind unterstreicht den Abschied des Tages und den Übergang zur Nacht. Nicht mehr lange und der Dorfpark in Bösel erstrahlt in seinem neuen Licht. Zahlreiche Menschen haben sich längst versammelt und nehmen auf den Stühlen vor der Bühne Platz. Doch die Stühle reichen nicht aus und so bilden sich um die Sitzgelegenheiten kleine Trauben von Menschen, die auf die ersten Melodien des Abends warten.

Das Licht geht an. Die Musikerinnen und Musiker betreten die Bühne. Die ersten Töne erreichen jene Stellen, wo gerade noch das letzte Licht des Tages einen kurzen Augenblick verweilte. Und jene Töne lösen in den Menschen, die für diesen Moment an diesen Platz gekommen sind, ein wunderbares Gefühl der Freude aus. Ja, am Ende zählen nicht die Dinge, die wir besitzen, sondern die Erlebnisse, die wir gefühlt haben. Und an diesem Abend, zu dieser Zeit, an diesem Ort werden Erlebnisse geboren, an die man sich noch lange Zeit gerne zurückerinnern wird. Naja, allerdings nur dann, wenn es mit dem Bier klappt. Nicht so, wie im letzten Jahr. Doch dazu später mehr.

Das Niedersachsen Sound Orchester spielt. Umsonst und draußen.

Am kommenden Samstag, am 25. Mai 2019, um 19:00 Uhr startet das Niedersachsen-Sound-Orchester zum zweiten Mal ein Open-Air-Konzert im Dorfpark der Gemeinde Bösel. In jenem Dorfpark, der nach seiner Umgestaltung zu einem Aushängeschild der Gemeinde geworden ist. Jeder, der sich mit der Musik, der Band oder der Gemeinde Bösel irgendwie verbunden fühlt, ist eingeladen. Und das Beste: Der Eintritt ist vollkommen frei. Die Musikerinnen und Musiker versprechen außerdem einen Blumenstrauß der guten Unterhaltung, ein inneres Bollerwagen-Rennen, einen Abend, unvergesslicher Eindrücke. Und damit die ganze Geschichte nicht so trocken wird, findet gleichzeitig das Böseler Bierfest statt. Und hier kommen wir zu dem Punkt, den ich vorhin mal kurz angerissen habe. Ehrlich gesagt, ich muss immer noch etwas schmunzeln.

Das Open-Air-Konzert, als auch das Bierfest, finden in diesem Jahr – ich erwähnte es bereits – zum zweiten Mal statt. Im letzten Jahr feierte dieses Konzept Premiere. Und wie man es von Premieren gewohnt ist, immer läuft irgendwas schief. Manchmal sogar gewaltig. Entschuldigt bitte, ich muss kurz ausholen. Eine etwas längere, aber dennoch interessante Geschichte, die erzählt werden will.

Der Norddeutsche trinkt gerne Bier.

Es ist bekannt, dass der Norddeutsche an sich gerne Bier trinkt. Dieses wird durch fachkundige und wissenschaftlich fundierte Werbemaßnahmen tagtäglich belegt. Wir sehen Männer, die sich in großen Segelschiffen durch das tobende Meer kämpfen. Männer, die sich wenig später im strömenden Regen an der heulenden See die dicken Mantelkrägen hochziehen. Und dann, wenige Sekunden später, sitzen diese Männer, bei strahlendem Sonnenschein, in Gesellschaft anderer Männer am Strand, bei einem gemütlichem Lagerfeuer und kredenzen sich ein frisch gekühltes Bier. Warum man in diesen Spots allerdings fast nie Frauen sieht, bleibt fraglich. Ich glaube, Frauen können all das mindestens genauso gut.  

Nun gut. Der Norddeutsche trinkt gerne Bier. Das hätten wir geklärt und daran ist nichts falsch oder verwerflich. Aus diesem Grund haben die Veranstalter des letztjährigen Bierfestes wahrscheinlich genau dieses veranstaltet. Es sollten verschiedene Biere, verschiedener Brauhäuser angeboten werden. Ein grandioser Plan und zusammen mit dem Open-Air-Konzert eine gelungene Mischung. Viele Menschen lieben die Zusammenkunft von Bier und Musik. So auch in Bösel. Allerdings – so glaube ich, ohne es wirklich zu wissen – haben die Veranstalter im letzten Jahr nicht mit einer derartigen Resonanz gerechnet und die Getränkelogistik ging an jenem Abend gnadenlos in die Knie. Und zwar soweit in die Knie, dass einige Besucher des Open-Air-Konzertes das Problem erkannt und sich beim nahegelegenen Discounter selbst mit dem kühlen Nass versorgt haben. Ein Fiasko, welches sicherlich dem ein oder anderen die Schamesröte ins Gesicht getrieben hat. 

Aber so ist es mit Premieren. Es laufen Dinge falsch und einiges geht schief. Nun kann man anschließend den Kopf in den Sand stecken und sich sagen, dass das alles ziemliche Scheiße war und auf keinen Fall wiederholt werden sollte. Oder man steckt die Köpfe zusammen und arbeitet an seinen Fehlern und macht es nochmal. Letzteres beweist Rückgrat und Kampfgeist. Früher sang man Lieder über solche Menschen. Scheitern und wieder aufstehen. In unserer heutigen Gesellschaft nicht immer leicht. Aber die, die genau dieses machen, gehen oft als Vorbilder hervor. Nur mal so am Rande. 

Ein neues Konzept der Getränkelogistik.

Ich kann es mir vorstellen. Ich war nicht dabei. Aber ich glaube, so wird es abgelaufen sein. Die Verantwortlichen saßen am Tisch und haben die Fehler des letzten Bierfestes noch einmal vor dem geistigen Auge abgespielt. Ein harter Prozess, der aber immer Früchte trägt. Und irgendjemand wird gesagt haben, dass es anders laufen muss. „Gertrud, dreh den Hahn nach Norden. Wir haben keine Zeit für Gläser.“ So wird es gewesen sein. Oder so ähnlich. Vielleicht auch ganz anders. Aber all das spielt keine Rolle. Das Niedersachsen-Sound-Orchester macht es noch einmal. Open-Air-Konzert und Bierfest. 

Über die Musik des NSO muss ich nicht viel erzählen. Diese spricht für sich. Songs der 80er. Abba. Queen. Sogar ein Song der Band Disturbed wird die Ohren der Zuhörer erreichen. Gewohnte Spitzenklasse eines routinierten Orchesters. Was allerdings nicht bedeutet, dass es kein Lampenfieber mehr unter den Musikerinnen und Musikern gibt. Dem ist zum Glück immer noch so. Grandiose Songs, geniale Einlagen und Überraschungen erwarten die Besucherinnen und Besucher des Open-Air-Konzertes. 

Und was das Bierfest betrifft: Ich bin mir ganz sicher, dass die umliegenden Discounter an diesem Abend nicht mit zusätzlichen Einnahmen durch den Verkauf von Bierkisten rechnen können. Gertrud wird den Hahn nach Norden drehen und das kühle Lieblingsgetränk des Norddeutschen wird amtlich fließen. Versorgungsengpässe werden geschlossen sein und alles wird ganz reibungslos laufen. Und selbst dann, wenn das Orchester aufhört zu spielen und ein DJ den musikalischen Part übernimmt, wird es immer noch Bier geben. Da bin ich mir ziemlich sicher. 

Glaubst Du nicht? Fahr hin und überzeug Dich!

Ja. Ja. Der Luttmann. Schreiben kann er ja viel. Aber ob das auch alles stimmt?
Keine Ahnung. Kann ich Dir nicht beantworten. Am besten, Du überzeugst dich selbst. Am 25. Mai 2019 um 19:00 Uhr im Dorfpark Bösel. Open-Air-Konzert und Bierfest. Fahr hin und mach Dir selbst ein Bild. Was hast Du zu verlieren? Nichts. Du kannst nur gewinnen. Und wenn Du am Ende begeisterst und glückselig nach Hause gehst und Dir dabei denkst, was das für ein schöner Abend war, dann kannst Du ja kurz an mich denken. Wahrscheinlich klingeln mir dann die Ohren. Und wahrscheinlich klingeln sie dann so häufig, dass ich mit einem Tinnitus ins Krankenhaus komme. Weißt Du was? Lass das mal. Mit dem an mich denken. Genieße einfach den schönen Abend in Bösel. Eine Erinnerung, an die Du auch später noch gerne zurückdenken wirst. Da bin ich mir sicher. Und vielleicht, vielleicht sehen wir uns ja. Wäre cool!