Eigentlich hatte ich eine genaue Idee. Eine Vorstellung. Einen Plan. Ich nahm ihn zur Seite und erzählte ihm davon. So still und heimlich, dass sie es nicht hörte. Er lächelte mich an, ging zu ihr hinüber, nahm sie zärtlich in den Arm und flüsterte ihr drei Worte ins Ohr: Ich liebe Dich. Danach waren sie verloren. In sich. In dem Moment. In ihrer Zweisamkeit. Meine Vorstellung war dahin und im gleichen Moment eröffnete sich etwas, das um so vieles schöner war.

Die Liebe hält sich nicht an Regeln. Sie folgt keinen Anweisungen. Sie schert sich nicht um Erwartungen. Die Liebe ist ein Gefühl, das einem Feuer gleicht. Eines das Dich wärmt. Das Dir Halt gibt in dunkler Zeit. Das Dir Schutz bietet, wenn die Welt um Dich herum zu erfrieren droht. Die Liebe ist wie ein Feuer, das Dich verbrennen kann, wenn Du nicht aufpasst. Die Liebe ist frei. Sie hält sich nicht an Regeln. An Anweisungen. An Erwartungen. Das ist das, was die wahre Schönheit an ihr ausmacht und das, warum sie manchmal nicht so einfach zu verstehen ist.

Heinrich Heine schrieb einmal, dass keiner so verrückt sei, dass er nicht einen noch Verrückteren fände, der ihn versteht. Und dabei muss die Verrücktheit nicht einmal augenscheinlich sein. Manchmal ist die Verrücktheit einfach nur versteckt und man fragt sich, warum Entscheidungen getroffen werden, die man vielleicht als Außenstehender nicht versteht. Doch ist dann die Liebe im Spiel und zwei Menschen verstehen sich, dann mögen die Entscheidungen und Handlungen noch so verrückt erscheinen, für die Beiden ergibt immer alles einen Sinn. Und genau darauf kommt es an.

Und dann haben sie Ja gesagt

Meine Leidenschaft bringt es mit sich, dass ich Menschen begleiten darf. Manchmal an einem der schönsten Tage ihres Lebens. Manchmal an dem Tag, an dem sie „Ja“ zueinander sagen. An dem sie sich zueinander bekennen. Manchmal tun sie dieses vor dem Gesetz. Manchmal vor Gott. Doch an diesem Tag schloss kein Beamter diesen Bund und kein Pfarrer gab seinen Segen. An diesem Tag wurde ein Band geknüpft, welches die Liebe des Brautpaares auf ewig binden soll.

Noch nie durfte ich zuvor einer freien Trauung beiwohnen. Noch nie durfte ich eine solche Zeremonie mit meinen Bildern festhalten. Doch einmal ist immer das erste Mal und in diesen Augenblicken sollte man Dankbar sein, dass man etwas erleben darf, das man so noch nie erlebt hat.

Ich schreibe nicht oft über Hochzeiten. Ich zeige kaum Bilder. Das  tue ich nicht, weil ich das so vereinbare. Mit den Brautpaaren. Diese Momente, diese Augenblicke – sie gehören den Menschen. Den Paaren. Den Liebenden. Das schätzen die Menschen, die ich begleiten darf und empfehlen mich oft weiter. Das funktioniert, auch wenn andere mir gerne etwas Anderes erzählen wollen. Doch wenn ich etwas Neues erlebe, dass zudem wirklich wunderbar ist, dann möchte ich es in die Welt tragen.

Eine freie Trauung

Alles war frei. Frei wie die Liebe. Frei wie die Überzeugung und der Wille, mit dem die Beiden ihr Band knüpften. Alles war frei und die Gestaltung der Trauung folgte keiner Regel. Es durfte geklatscht und getrampelt werden. Es durfte gelacht und gesungen werden. Die Gäste waren keine Beobachter der Trauung, sie waren ein Teil davon.

Der Raum war mit einer Spannung erfüllt, die man nur schwer beschreiben kann. Es war keine schwere Spannung, sondern eine leichte. In den Augen der Gäste konnte man die Freude und das Lachen erkennen. Und eine leichte Nervosität lag in der Luft, die aber nicht anstrengend, sondern erfreulich war, denn an diesem Tag sollte etwas wirklich Schönes geschehen.

Die Rednerin hatte eine wunderbare Klangfarbe in ihrer Stimme. Eine Stimme, mit der sie die Zuhörerinnen und Zuhörer abholen konnte. Sie sprach über das Paar, als wären es langbekannte Freunde, was natürlich durchaus sein kann, denn das weiß ich nicht genau. Doch am Ende spielt es keine Rolle, denn beim Zuhören fühlte man sich geborgen, angenommen und eingeladen.

Symbolisch wurde ein Band geknüpft, das aus verschiedenen Farben bestand, deren Bedeutung eine wunderbare Zukunft bescheren soll. Mit diesem wurde das Band der Liebe geknüpft, welches die beiden Brautleute auf ewig binden sollte. Und wenn man die beiden kennt, sie erleben durfte, wie sie miteinander umgingen, wie sie miteinander sprachen, wie sie sich in die Augen sahen, dann war man sich sicher, dass dieses Band eigentlich nicht von Nöten war.

Einhunderttausend Freudentränen

Alles war anders. Anders als ich es kannte. Anders, als ich es je erlebt habe. Und genau das ist der Grund, warum ich darüber schreibe. Denn alles was Anders ist, sollte man kennenlernen. Denn nur das Andere erweitert den eigenen Horizont. Nur das Andere lässt einen wachsen. Es ist das Andere, das Vielfalt und Abwechslung in das eigene Leben bringt.

Und irgendwann tauschten die Beiden Ihre Ringe. Das Symbol der Liebe. Weil es keinen Anfang und kein Ende hat. Und dann küssten sie sich und vergaßen dabei alles um sich herum, was schön war, denn es folgte eine Überraschung, mit der nur die Wenigsten gerechnet hatten. Und das auch nur, weil sie involviert waren.

Posaunenklänge erfüllten den Raum. Trompeten unterstrichen den Klang. Und langsam füllte ein kleines Orchester jede Lücke. Aus der Mitte der Gäste erhob sich ein Mann. Er stellte sich auf den Gang, von allen sichtbar. Er lächelte dem Brautpaar zu, dem er wohl bekannt war. Dann begann er zu singen. Schöner und klarer, als man es vom Original her kannte. Und in den Reihen, zwischen den Klängen, suchten die Menschen nach ihren Taschentüchern. Einfach nur, um die Freudentränen zu trocknen.

Es sind diese Momente. Diese Augenblicke. Diese Feinheiten, warum ich das liebe, was ich tue. Es sind diese Momente, warum ich in dem aufgehe, was ich mache. Und ganz oft passiert es mir, dass ich mich selbst daran erinnern muss, warum ich eigentlich da bin. Denn manchmal sind diese Momente so schön, so wunderbar, so einzigartig, dass ich sie einfach nur mit meinen Augen und mit meinen Ohren wahrnehmen möchte. Doch das geht natürlich nicht. Und so drücke ich den Auslöser, halte alles fest und speichere das, was ich erlebt habe ab. Auf meiner Speicherkarte. In meiner Erinnerung. An meinem Herzen.

 

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