Der Audi hält. In den Fenstern des silbernen Wagens kann ich mich selbst sehen und zwischen meinen Fingern spüre ich das Kleingeld, welches ich achtlos in die Taschen gesteckt habe. Der Fahrer lächelt. Mit einem Handgriff lässt er das Fenster runter. „Alles Gute zum Geburtstag Meister. Alles klar bei Dir?“ Ich lächle zurück. Sicher. Alles klar. Alles bestens. Ich habe Geburtstag. Und es ist Feiertag. Was will man mehr?

Ein paar Worte fliegen hin und her. Belangloses. Smalltalk. Wortfetzen ohne tieferen Sinn aber dennoch von Bedeutung. Es ist schön zu sprechen. Über dieses. Über jenes. Nur das Wetter. Das könnte etwas besser sein. Da sind wir uns einig. Jedenfalls… Jedenfalls regnet es nicht. Immerhin. Andor zieht an der Leine. Er hat anderes im Sinn. Er möchte weiter. Ich gebe seinem Wunsch Raum und gehe weiter. Man sieht sich. Ganz bestimmt.

Gebratener Speck. Gekochte Eier. Heißer Kaffee. Im Raum der Duft von aufgebackenen Brötchen. Montag. Feiertag. Pfingsten. Die Bäckereifachverkäuferin hat frei. Der Laden ist geschlossen. Trotzdem wird gefrühstückt. Mit der Familie. Die Kinder lachen. Es gibt selbstgebackene Schokoladenbrötchen und Geschenke werden ausgepackt. Während dessen macht sich das Smartphone auf dem Tisch bemerkbar. Facebook. Whatsapp. SMS und E-Mail. Menschen denken an mich. An meinen Geburtstag. Und das freut mich. Sehr sogar.

Leider lässt sich eine wahrhafte Dankbarkeit mit Worten nicht ausdrücken. Hat Goethe schon gewusst. Und er hat Recht gehabt. Damals. Gestern. Immer noch. Es ist das schönste Geschenk, das größte Gefühl, der beste Antrieb. Dankbarkeit. Für jedes Wort. Für jede Geste. Für jeden Glückwunsch. Gerade zum Geburtstag.

Fünfunddreißig Jahre. Der Jüngste schläft. Der Älteste ruht sich aus. Die Mama liest und der Besuch ist nicht mehr da. Mittagszeit. Ich sitze kurz auf dem Sofa. Schließe meine Augen. Schlafe ein. Nicht lange. Nur kurz. Nur für einen Augenblick. Vielleicht länger. Mag sein. Kann sein. Weiß ich nicht, denke ich.

Mein Geburtstag. Das erste Foto. Oldenburg.

Ich hole das Album aus dem Schrank. Wie jedes Jahr. Das erste Foto. Mit meinem Papa. Im Krankenhaus. Geboren in Friesoythe, aufgenommen in Oldenburg. Es war nicht einfach. Sagt Mama. Es war nicht leicht. Sagt Papa. Und doch hat es geklappt.

Fotos sind Erinnerungen. Augenblicke und Momente, an die man sich vielleicht nicht mehr erinnern kann. Die man zwar gelebt, aber nicht immer erlebt hat. Das erste Foto. In Oldenburg. Ich kann mich nicht daran erinnern, aber ich bin froh, dass es dieses Foto gibt. Vielleicht bin ich deshalb gerne Fotograf. Vielleicht fotografiere ich deswegen so gerne. Wegen den Erinnerungen.

35 Jahre bin ich geworden. Gestern. Am 16. Mai. Zweitausendsechszehn. Und viele Menschen haben an mich gedacht. An meinen Geburtstag. Darüber bin ich froh. Gegen Abend gehen wir zum Auto. Meine Frau und ich. Wir wollen nach Oldenburg. Essen gehen. Die Sonne lacht vom Himmel. Eine junge Familie schlendert über den Bürgersteig. Sie machen einen Spaziergang. Herzlichen Glückwunsch Torsten. Rufen sie. „Heute scheint die Sonne nur für Dich“, sagt die junge Mutter im vorbeigehen. „Wahrscheinlich“, antworte ich und muss dabei lachen. Doch der Gedanke ist irgendwie schön.

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