Durch das offene Fenster kann ich hören, wie der Regen sich im Laub der Eichen verfängt. Frische Luft zieht durch den Raum, während ein anderer Teil der Luft über das alte Dach verschwindet. Der Geruch des jungen Herbstes erfüllt mein kleines Büro. Die Hitze, die sich manchmal während des Sommers in den Dachschrägen gesammelt hat, ist längst vergessen. Hier an meinem Schreibtisch fühle ich gerade die Veränderung, die die Zeit mit sich bringt. 

Später. Es wird ruhiger. Die Tage werden kürzer. Und mit dem Eintreten der Dunkelheit, findet die Gemütlichkeit ihren Weg zurück ins Haus. Im Kaminzimmer knistert das Feuer vor sich hin, während ich im Schein der alten Stehlampe ein Buch über die Tiere unserer Region lese. Heißer Tee dampft aus der Tasse, die auf einem Beistelltisch steht, der früher mal ein altes Weinfass war. 

Zweitausendzwanzig. Ein seltsames Jahr. Wobei das Jahr natürlich niemals für die Umstände verantwortlich ist und sich zu wünschen, dass das Jahr vergeht, bringt nichts, wenn die Umstände sich nicht ändern. Und doch. Ein seltsames Jahr. Ein Jahr, das ganz anders verlief, als ich es erwartet hätte. Ein Jahr voller Veränderungen und ein Jahr, das gefühlt bislang nicht mehr als einige Wochen lang war. 

Sei es drum. Was vergangen ist, ist vergangen. Was ich nicht ändern kann, sollte ich besser akzeptieren. Mir über die Zukunft zu viele Gedanken zu machen oder der Vergangenheit hinterher zu hängen, bringt mir nicht viel. Das Einzige, was wirklich zählt, ist der Augenblick. Das Jetzt. Der Moment, in dem ich lebe. 

Das soll nicht bedeuten, dass ich nie einen Blick in die Zukunft wage oder heißen, dass sie mir egal ist. Natürlich male ich mir Bilder aus, wie mein Leben später einmal aussehen könnte. Aber ich klammere mich nicht daran. Einfach, weil diese Bilder nicht mehr als Fantasie sind. Ich kann zwar versuchen, dem Bild einen Rahmen zu geben, aber wie das Bild irgendwann wirklich aussehen wird, darauf habe ich keinen Einfluss. 

Im Grunde genommen ist das meine Sicht der Dinge. Meine Einstellung, die niemand teilen muss. Jeder darf mir widersprechen, anderer Meinung sein, eine andere Überzeugung haben. Das ist für mich vollkommen okay. Und doch ist diese Einstellung mein Weg zu innerer Ruhe. Zur inneren Ausgeglichenheit und mein Weg zur Freiheit. Ich lebe den Moment, tue das, was ich im Augenblick für richtig halte und mache das, was für mich gerade richtig ist. Der Rest? Wird sich zeigen, sich ergeben und in meiner Welt immer für mich sein. Nie gegen mich. 

Selbst die Widerstände, Hindernisse und Herausforderungen haben für mich immer irgendwo einen Grund, dessen Sinn ich am Anfang vielleicht nicht immer sehen kann. Doch letzten Endes führen sie mich immer dorthin, wo ich wirklich hinmöchte. Und rückwirkend gesehen kann ich sagen, dass es tatsächlich immer so war. 

Herbstanfang. Die Zeit der Veränderung. Das Laub in den Eichen vor dem Haus wird nach und nach die Farbe wechseln. Auf den Feldern, weit entfernt von den Wohnhäusern unseres Dorfes sind die ersten Kraniche gelandet. Ihr Ruf unterstreicht die Stille, die über den aufsteigenden Nebeln zu finden ist. Die Sonne geht auf und taucht die Welt in warme Farben. Vielleicht ist dieses Jahr nicht so verlaufen, wie ich es mir im letzten Jahr ausgemalt habe. Doch all die Umstände, all die Veränderungen und selbst die Momente, in denen ich mich gefragt habe, wo der Sinn liegt, haben mir gezeigt, dass es gut war. Ich glaube, ich bin angekommen.