Sie stand am Rande des kleinen Birkenwaldes. Ihr blondes Haar wehte im Wind. In den Händen hielt sie eine Tasse, aus Birkenholz geschnitzt. Gefüllt mit kleinen, roten Beeren. Und obwohl ihre Erscheinung fast makellos erschien, konnte ich meinen Blick nicht von der Tasse lassen, die mich – aus welchen Gründen auch immer – vollkommen faszinierte. Ich betrachtete dieses Foto noch eine Weile und langsam wurde mir klar, dass ich eine solche Tasse, die in Finnland Kuksa genannt wird, selbst gerne mein Eigen nennen würde. Doch einfach eine solche Tasse zu kaufen, danach stand mir nicht der Sinn.

Ich wollte selbst eine Kuksa schnitzen. Und am Anfang erschien mir dieses Vorhaben noch recht einfach. So schwer könne es ja nicht sein, eine einfache Tasse aus einem Stück Birkenholz zu schnitzen. In dem alten Holzlager meines Vaters suchte ich nach einem geeigneten Stück Birkenholz. Perfekt wäre das Stück einer Birkenknolle gewesen, doch ein solches Stück war gerade nicht vorhanden. Und extra dafür einen Baum fällen, das lag mir mehr als fern. Zumal ich natürlich nicht wusste, ob mein Vorhaben überhaupt gelingen würde.   

Nachdem ich das für mich passende Stück Birkenholz gefunden hatte, zeichnete ich die Form auf, die meine Kuksa später haben sollte. Mit Hilfe eines Einmachglases, dass ich den Abstellräumen meiner Mutter lag, machte ich eine grobe Skizze auf das trockene Holz. Allerdings bemerkte ich schnell, dass meine Vorstellung der Einfachheit jener Realität weichen musste. Mir fehlte es an gutem Werkzeug, an scharfen Stechbeiteln und ehrlich gesagt auch an der Zeit. Man schnitzt eine Birkenholztasse nicht im vorbei gehen. Und mal eben ist überhaupt ein dummer Gedanke. 

Kuksa

Hilfe beim Schnitzen der Kuksa

Beim Fußballtraining meines ältesten Sohnes saß ich mit unserem Nachbarn zusammen, dessen Sohn in der gleichen Mannschaft spielt. Harald betreibt eine Zimmerei, die sich auf die Erstellung von Spiellandschaften und Spielgeräten spezialisiert hat. Ein Mann vom Fach. Und was er aus Holz alles herstellen kann, ist schon ziemlich beeindruckend. Natürlich erzählte ich ihm von meinem Vorhaben, eine Kuksa zu schnitzen. Und von den Schwierigkeiten, die sich mir in den Weg stellten. Er lachte natürlich nur und bot mir gleichzeitig an, meine Birkenholztasse kurz in Form zu bringen. Ein Angebot, dass ich natürlich dankend annahm.    

Heute war es soweit. Wir hatten beide einen Augenblick Zeit und trafen uns in seiner Werkstatt am Rande des Industriegebietes. Er nahm mir mein Stück Holz ab, hobelte es an der unteren Seite ab und bohrte einen Ring in das Holz, welches mir dabei helfen sollte, dass innere Holz leichter zu entfernen. Mit einer Bandsäge schnitt er die Birke in die richtige Form und gab für die restlichen Arbeiten noch einige wertvolle Tipps.  

Kuksa

Die grobe Form der Kuksa steht

Das alte Stück Birkenholz, das ursprünglich für den Kamin gedacht war, ist nun in Form gebracht. Und ganz bestimmt wird meine Birkenholztasse etwas anders, als man vielleicht erwarten könnte. Ab jetzt kann ich selbst daran arbeiten. Und sobald die Zeit es wieder zulässt, werde ich das tun. Mit Schnitzwerkzeugen und Schmirgelpapier. Mit Pinsel und Öl. Und am Ende werde ich meine Tasse in den Händen halten, obgleich ich sicherlich nie die wunderschöne Gestalt jener Frau erreichen kann, die mich mit ihrer Kuksa zu diesem Vorhaben inspiriert hat.

Kuksa, Hygge
Ich glaube, das wird am Ende ganz schön Hygge