Um kurz nach fünf riss mich ein lauter Schrei aus dem Schlaf. Sofort schoss ich aus dem Bett, um zu sehen, was passiert sei. Zwei kleine Jungs standen aufgeregt in ihren Schlafanzügen im Garten und freuten sich lautstark darüber, dass der Osterhase ihnen ein paar Süßigkeiten ins Nest gelegt hatte. Natürlich rannte ich sofort zu ihnen, um ihnen zu erklären, dass die meisten Menschen in den umliegenden Häusern noch schlafen würden und diese um jene Uhrzeit ungern geweckt würden. Und weil alles so schnell ging in diesem Jahr, habe ich es erstmals nicht geschafft, die Freude der Jungs in Fotos festzuhalten. Egal. Das Osterfest 2019 hatte begonnen und wir waren uns alle sicher, dass das Wetter in den kommenden Tagen auf unserer Seite sein würde.  

Ostern. Der Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Es geht um das Suchen und Finden. Die Auferstehung. Das neue Leben. Und in diesem Jahr kann man dieses tatsächlich in allen Ecken und Nischen finden. Bienen summen durch den Garten, die Blüten am Apfelbaum erstrahlen in herrlichster Pracht und die Sonne schickt ihre schönsten Strahlen über den hellblauen Himmel und taucht die Welt in ihre wohlige Wärme. Ostern. Man geht mittlerweile davon aus, dass das Wort vom altgermanischen Wort Austro abstammt, welches im Grunde genommen die Morgenröte bzw. die östliche Himmelsrichtung beschreibt, denn an Ostern geht die Sonne wieder genau im Osten auf.  

Und nachdem die Sonne aufgegangen war, starteten wir den Tag mit einem großen Frühstück im Kreis der Familie. Wir besuchten meine Eltern, um gemeinsam mit ihnen, meinen Brüdern und dem Rest der Familie einen tollen Tag zu verbringen. An Ostern geht es um das Suchen und das Finden. Es geht darum, Zeit für die Menschen zu finden, die einem etwas bedeuten und diese auch zu finden. Und so verbrachten wir den ganzen Tag in meinem Elternhaus. Wir saßen in der Sonne, spielten mit den Kindern Völkerball, aßen am Nachmittag Kuchen und hatten insgesamt eine sehr, sehr schöne Zeit.  

Ostermontag

In der Nacht von Ostersonntag auf Ostermontag wurde ich wieder aus dem Schlaf gerissen. Dieses Mal um 03:30 Uhr. Allerdings nicht von den Jungs. Ein tiefer Bass hämmerte gegen mein Trommelfell. Dazu eine Melodie, die ich aus meiner Jugend kannte. Oasis. Wonderwall. Ich konnte mitsingen. Aber mit dem Schlaf war es vorbei. Also stand ich auf, kochte mir einen Kaffee und setzte mich an meinen Rechner, während die anderen immer noch im Tiefschlaf waren. Ein Rätsel, wie sie das geschafft haben. Wer nun aber denkt, ich sei sauer und böse auf die Veranstalter der Sportlerparty, der täuscht sich. Ich freue mich viel mehr, dass die Menschen im Festzelt – einige Kilometer von uns entfernt – ihren Spaß hatten. 

Um kurz vor acht verließ ich dann das Haus für einen kleinen Spaziergang im Feld. Die Sonne stand schon hoch am Himmel und es war tatsächlich so warm, dass es mir mit meiner langen Hose fast zu warm wurde. Vielleicht sollte man wissen, dass ich im Feld meistens eine lange Hose tragen. Nein. Eigentlich immer. Alleine schon wegen den Zecken. Aber ehrlich gesagt, wahrscheinlich ist diese Sache total uninteressant. 

Am frühen Vormittag, während die Kirchenglocken die Gläubigen zum Gottesdienst riefen, besuchten wir die Eltern meiner Frau. Es wurden Ostereier gesucht, gegrillt und anschließend ein Spaziergang gemacht. Auf dem Spielplatz der Grundschule spielten wir mit den Jungs Himmel und Hölle. Verstecken, Fangen und wieder verstecken. Der Nachmittag gehörte den tiefen Kissen unserer Terrasse, dem Garten hinter unserem Haus und dem Kaffeegeruch, der alles wunderbar untermalte. Die Eltern meiner Frau waren auch da. Und so konnten wir, den letzten Ostertag ganz entspannt verbringen, während die Jungs im Garten spielten und Andor einfach nur faul in der Sonne döste.