Gut Moorbeck

Leise, heimlich und vielleicht still lachend, nagte der Zahn der Zeit an den Gebäuden. Frühling, Sommer, Herbst und Winter taten ihr übriges dazu. Gemeinsam zogen sie grünen Efeu an den Wänden empor, drückten Risse in die alten Balken und webten feine Spinnennetze vor die dünnen Scheiben, die vom Staub leicht milchig geworden waren. Sie entfernten die Farbe der in die Jahre gekommen Fensterrahmen und gaben dem Prozess einen ehrwürdigen Namen. Verfall. Jene Stunden, in denen das Gut Moorbeck ein beliebtes Ausflugsziel war, schienen an jenem Tag fast vergessen und die alten Gemäuer fielen in einen traurigen Schlaf, aus dem es scheinbar kein Erwachen gab. Doch das brach einer Frau irgendwann das Herz. Sie kaufte das Gut und beschloss, dem natürlichen Treiben der Zeit Einhalt zu gebieten.   

Ein majestätischer Silberreiher flog über den See des Anwesens. Sein Flügelschlag durchbrach die Stille. Wenig später öffnete sich die dichte Wolkendecke über dem Gut Moorbeck und die Sonne tauchte die Gebäude in ihr magisches Licht. Es schien, als wolle das Leben an diesen Ort zurückkehren. Handwerker begannen damit, die historische Substanz wiederherzustellen. Alte Dächer, die kurz vor dem Einsturz standen, wurden fachmännisch aufbereitet. Der Klang von Kreissägen und Bohrmaschinen zog um die alten Bäume und legte sich flach auf das kalte Kopfsteinpflaster. Jene Spuren, die Zeit, Wind und Wetter mühsam gezeichnet hatten, begannen langsam zu verschwinden. Aus dem alten Gebäude roch es plötzlich nach frischem Kaffee und selbstgebackenen Kuchen. Nicht nur einmal. Jeden Tag.

Die Handwerker auf Gut Moorbeck starteten seitdem mit einem Lächeln in den Tag. Wenn man vor Ort war, konnte man ihnen die Freude und die Leidenschaft ansehen, mit der sie am Werk waren. Ihre Aufgabe war eine wichtige Aufgabe, denn durch ihre Hände, ihre Fähigkeiten und ihr Talent konnten sie altes bewahren und diesem zu neuem Glanz verhelfen. In der Umgebung sprach man davon, dass auf dem einst stillen Gut neue Zeiten anbrachen und der natürliche Verfall ein Ende hatte. Und insgeheim freuten sich die Menschen darauf, dass aus den alten Gemäuern, die durch die Zeit gezeichnet waren, bald wieder ein beliebter Treffpunkt für alle Generationen wird. Doch bis dahin gibt es noch viel zu tun.       

Luftaufnahme Gut Moorbeck

Zu Besuch auf Gut Moorbeck

Es war ein trister Tag auf Gut Moorbeck. Der Frühling hatte noch nicht die Kraft, den Winter komplett zu vertreiben. Graue Wolken hingen über den alten Dächern und Regentropfen zauberten kleine Kreise auf die Oberfläche des Sees. Einige Enten schwammen friedlich über das kalte Wasser und am Rand des Ufers vertrieb sich der Silberreiher seine Zeit. An diesem Tag hatte ich die Möglichkeit, mir das Gut in seinem aktuellen Zustand genauer anzusehen. Und ich konnte sehen, dass sich augenscheinlich einiges getan hat, seitdem Lucia von Aschwege das Gut Moorbeck gekauft hat. Einige Gebäude hatten neue Dächer. Risse in alten Mauerwerken wurden fachmännisch geschlossen. Alte Fenster hatten neuen Charme und wurden durch liebevolle Hände fachmännisch und traditionell aufbereitet. Die Grünanlagen, die über die Zeit von der Natur in Beschlag genommen waren, wurden sauber aufgeräumt. Besen kehrten über alte Steine und Maler zauberten neue Farben an die Wände.

Mit dem Beginn der Restaurierung, war die kleine Kneipe im großen Haupthaus der Dreh- und Angelpunkt der Handwerkerinnen und Handwerker. Auf einem langen Tisch stehen seit Anbeginn der Bauarbeiten jeden Tag frischer Kaffee und leckerer Kuchen für die helfenden Hände bereit. In einer anderen Ecke findet man kühle Getränke, an denen sich jeder frei bedienen kann. Wunderschönes Geschirr und bequeme Sitzkissen sorgen dafür, dass sich die Frauen und Männer in ihren Pausen wohlfühlen können. Auf den Fluren läuft leise Musik. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum sich die helfenden Hände auf dieser Baustelle so wohl fühlen. Hier wird ihre Arbeit geschätzt. Sie sind wichtige Anker in einem ehrenwerten Vorhaben. Und man merkt gleich, dass es der Bauherrin wichtig ist, dass eben jene sich voll und ganz wohlfühlen. Denn nur so gelingt es, dass am Ende alles sehr gut werden kann. 

Gut Moorbeck

Fotos vom Gut Moorbeck 2019   

Ich wollte kein Störfaktor in einem der laufenden Prozesse sein. Also schaute ich mir zunächst den See an, der in seiner friedlichen Pracht links vom Haupthaus gelegen ist. Ein herrlicher Fleck Natur, der in seiner Art und Weise einen unheimlichen Frieden ausstrahlt. Vielleicht liegt es an den Enten, die ungestört über das Wasser gleiten. Vielleicht liegt es am Silberreiher, der langsam und vorsichtig mit seinen langen Beinen am Ufer entlang schreitet. Letzten Endes spielt es aber keine Rolle. Man fühlt sich hier wohl. Irgendwie geborgen und das, obwohl der Regen gerade nicht besonders angenehm ist. 

Anke ist die Nichte der Bauherrin. Sie führt mich um den See und zeigt mir die Gebäude. Zudem lässt sie immer wieder leicht durchblicken, was hier auf Gut Moorbeck passiert und was man zukünftig erwarten darf. Doch das möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Vielleicht irgendwann. Aber nicht heute. Allerdings ist es mir dennoch ein Anliegen, Euch etwas vom Gut Moorbeck zu zeigen. Dementsprechend hatte ich natürlich meine Kamera im Gepäck und machte mich immer wieder daran, einige Fotos zu schießen.    

Ehrlich gesagt, stellenweise fühlte ich mich, als wäre ich im Museumsdorf Cloppenburg zu Gast. Denn einige Räumlichkeiten auf Gut Moorbeck tragen den Hauch der Geschichte in sich. Jenen Hauch, den man in den alten Gebäuden dort finden kann. Das Beste aber wird sein, Ihr schaut Euch die Fotos vom Gut Moorbeck einfach selbst an:     

Im Hotel wird gerade fleißig renoviert
Alte Kassenbücher im Gut Moorbeck
Gut Moorbeck
Die Sitzbank im Gut Moorbeck erinnert an längst vergangene Zeiten
Ein alter Kamin auf Gut Moorbeck
Der alte Saal im Gut Moorbeck wird aufwendig renoviert.
Gut Moorbeck
Gut Moorbeck
Gut Moorbeck
Ein altes Kellerfenster
Gut Moorbeck
Gut Moorbeck
Gut Moorbeck
Gut Moorbeck
Gut Moorbeck
Gut Moorbeck
Gut Moorbeck
Gut Moorbeck
Alte Mauern, alte Türen
Der See im Gut Moorbeck
Wasser ist ein wichtiges Element der alten Mühle
Das alte Schild der Gastwirtschaft "Zum kühlen Grunde"
Gut Moorbeck aus der Luft

Zugegeben. Ich bin neugierig. Alte Gebäude, Geschichten und neue Ideen interessieren mich. Dafür kann ich mich begeistern und in ihnen gehe ich auf. Dementsprechend bin ich gespannt, was auf Gut Moorbeck in Zukunft passiert und ich bin dankbar, dass ich diese Einblicke, an diesem Tag, mit Euch teilen darf.