Ein Kurztrip. In die Lüneburger Heide. Nur für ein paar Tage. Dienstag. Mittwoch. Und Donnerstag zurück. So war es geplant. Doch dieser Kurzurlaub lief dann doch anders als geplant. Im Grunde genommen braucht man von uns bis zur Lüneburger Heide max. 2 Stunden. Wir brauchten 9 Stunden. Und ca. 360 km. Die Geschichte eines Kurzurlaubes in den Sommerferien.

Der Sommer 2017 ist irgendwie kein Sommer. Jedenfalls fühlten sich die vergangenen Monate nicht unbedingt wie Sommer an. Wie diese Sommer, die ich noch aus Kindheitstagen kenne. Irgendwie regnet es nur. Irgendwie ist es immer nur kalt. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum unser Sommerurlaub, der aus maximal drei Tagen besteht, nicht so sonderlich attraktiv war. Keine Ahnung. Ich weiß es nicht.

Es gibt unzählige Blogs die von unvergesslichen Reisen erzählen. Unzählige Menschen, die immer wieder die perfekten Momente erleben. Fotos auf Instagram erzählen von der Schönheit der Welt, von lauter perfekten Augenblicken, von unendlich schönen Momenten, die scheinbar aneinandergereiht die komplette Welt der jeweiligen Personen sind. Ich glaube nicht daran, dass das stimmt. Und ich glaube an die unperfekten Momente, die Augenblicke, die ebenso sind, wie das Leben sie wirklich erzählt. Unser Kurzurlaub war alles, nur nicht perfekt. Es ging so viel schief, es lief so viel daneben und trotzdem waren es unvergessliche Tage. Tage, die wir als Familie verbracht haben. Mit den Höhen und Tiefen, die jede Familie irgendwie kennt.

Der perfekt unperfekte Kurzurlaub

Dienstag. 11. Juli 2017
Die Taschen sind gepackt. Der Kofferraum des Volvos ist gefüllt. Die Strecke ist im Navigationssystem eingegeben. Los geht die wilde Abenteuerfahrt. Eine Stunde, fünfundvierzig Minuten. Dann haben wir das Ziel erreicht. So verkündet es uns jedenfalls das Navigationssystems. Und meistens hat es recht. Nur an diesem Tag, an diesem Dienstag, sollte es etwas anders laufen.

Wir fahren los. Bundesstraße 401. Richtung Oldenburg. Von Oldenburg auf die Autobahn, Richtung Bremen. Irgendwann geraten wir in eine Baustelle und entscheiden uns, kurz vor Delmenhorst dazu, über Land zu fahren. Eine kleine Rast auf dem Parkplatz vor Aldi. Die Kids sind guter Dinge, meine Frau hat zahlreiche Leckereien im Gepäck und ich versuche meinem Navigationssystem zu erklären, dass wir die Autobahnen vermeiden möchten. Dauert etwas, klappt aber. Dann fahren wir los.

Allerdings dauert die Strecke doch wesentlich länger und das Fahren durch die Stadt nervt. Überall Ampeln, die natürlich auf Rot springen, sobald wir auch nur in ihre Nähe kommen. Menschen, die zwischen Autos auf die Straße springen, als hätten sie sich dazu entschlossen, sich das Leben zu nehmen und Mercedes-Fahrer, die während der Fahrt nicht darauf verzichten können, ihren Hut zu tragen. Autobahn und eventuelle Baustellen sind wahrscheinlich doch die bessere Alternative. Die Jungs interessiert das nicht. Sie freuen sich über das Unterhaltungsprogramm, welches über das transportable DVD-System übertragen wird. Zurück auf die Autobahn.

Wenn man alles locker sieht und die Umstände einfach akzeptiert, ist selbst eine Baustelle auf der Autobahn zu ertragen. Und wenn man gar nicht mehr so viel darüber nachdenkt, ist sie schon vorbei. Vor uns liegen vier Spuren und jede Menge Platz. Vollgas. Das Ziel Lüneburger Heide ist vorne und wir erreichen es dann doch schneller als geplant. Falsch gedacht.

Plötzlich, auf der Autobahn.

Tempo 170. Linke Spur. Alles läuft perfekt. Doch im nächsten Augenblick ändert sich alles. Ein Warnsignal im Display. Der Motor stottert. Wir verlieren sofort an Geschwindigkeit. Das Lenkrad vibriert und der Volvo lässt sich plötzlich nicht mehr so richtig steuern. Spurwechsel auf den Standstreifen. Warnblinker an. Auto aus. Die anderen Autos, die LKW, sie rauschen an uns vorbei. Und während meine Frau einen fast ernstzunehmenden Herzstillstand bekommt, muss ich erstmal eines: Durchatmen.

DSTC. Wartung erforderlich. Auf dem Display leuchtet ein Wagen auf. Vermutlich meiner. Drei Schlangen verfolgen ihn und ich habe keine Ahnung, was das bedeuten soll. Zum Glück habe ich natürlich mein Handbuch dabei, dem ich bis zu diesem Zeitpunkt keines Blickes gewürdigt habe.

Auf Seite 178 werde ich fündig.  DSTC – Dynamic Stability & Traction Control genannt, ist das Elektronische Stabilitätsprogramm, das bei den Autos des schwedischen Herstellers für Sicherheit unter widrigen Straßenverhältnissen sorgt. Weiter unten finde ich die entsprechende Fehlermeldung. Einfach mal den Motor ausschalten, anschalten und weiterfahren. Tritt der Fehler erneut auf, Werkstatt aufsuchen.

Auf einer dichtbefahrenen Autobahn, direkt am Standstreifen hat man natürlich Ruhe und Geduld, sich mit so einer Thematik zu befassen. Selbstredend auch dann, wenn einen die ganze Scheiße gar nicht interessiert. Ich lasse den Motor einen Augenblick lang ruhen und starte neu. Die Meldung ist verschwunden. Hurra. Ich gebe Gas, fahre auf die rechte Spur und bemerke nach gefühlten 30 cm Fahrspaß, dass der Fehler zurückgekehrt ist. Stottern. Stottern. Seitenstreifen. Nichts geht wirklich.

30 auf dem Standstreifen

Mit 30 km/h brettern wir über den Seitenstreifen der Ausfahrt entgegen. Mehr funktioniert nicht. Der Motor zickt rum, wie ein kleines Kind, dem man den Lolli geklaut hat, ehe daran lutschen durfte. Und natürlich habe ich überhaupt keine Ahnung, was man in diesem Fall tun soll. Aber erstmal von der Autobahn, damit die Frau nicht auf dem Beifahrersitz kollabiert.

Im Grunde genommen, ist es die Angst, die meine Frau unruhig macht. Auf der Landstraße ist sie wieder die Ruhe selbst und ich der negative Part. Ich fluche, weil das Auto sich nicht wirklich beschleunigen lässt. Fahrer hinter mir, die keine Ahnung haben, was hier vorne eigentlich los ist, spielen mit ihrer Lichthupe. So manches Mal schießt mein Mittelfinger aus dem Fenster der Fahrertür. Natürlich nur theoretisch. Niemals praktisch. Und irgendwann erreichen wir einen alten Schotterweg, auf dem wir erstmal aussteigen und einen kurzen Spaziergang machen.

Von dort aus kontaktiere ich die nächste Volvo-Werkstatt. Gebrauchtwagengarantie und sowas. Diese ist gute dreißig Kilometer weg. Also eine gute Autostunde. Mit unserem Auto. Nützt ja nichts. Wir fahren los. Richtung Bremen.

In der Volvo-Werkstatt wird das Auto ausgelesen. Das macht man heute so. Ich habe ja keine Ahnung. Auf einem Bildschirm werden sämtliche Fehlerpunkte angezeigt. Glaube ich jedenfalls. Auf jeden Fall rät mir der KFZ-Meister nach Hause zu fahren ggf. einen Abschleppwagen zu beauftragen. Aber – besser, weil günstiger – selber fahren. Wenn mich das Stottern nicht stört. Das würde nur daran liegen weil… Und dann erklärt er mir Dinge, die ich niemals verstehen werde. Einspritzpumpe, Drosselung, Regelung, Sparprogramme, keine Ahnung. Was ich verstanden habe ist, dass ich nicht schneller als 70km/h fahren kann. Was er nicht weiß, dass ich später die 75 km/h Marke knacken werden. Berg runter.

Michel & Friends Lüneburger Heide

Mittlerweile ist es 15:30 Uhr. Nach einem kurzen Zwischenstopp in einem viel zu ungesunden Fastfood Restaurant brechen wir auf. Richtung Heimat. Mit stotterndem Motor und genervten Autofahrern hinter uns. 95 Kilometer. Gegen 17:30 Uhr – glaube ich – sind wir wieder zu Hause. Anruf im Hotel. Wir verspäten uns. Termin beim Autohaus, zwecks Reparatur. Kurzes Abendessen. Ins nächste Auto und los. Dieses Mal klappt alles reibungslos und gegen 20:15 Uhr erreichen wir unser Hotel. Alle gut gelaunt. Wieder.

Wir übernachten im Michel & Friends Hotel Lüneburger Heide. Im kleinen Ort Hodenhagen. Ein solides Hotel mit vier Sternen. Vier Sterne bedeutet übrigens unter Anderem, dass die Rezeption 16 Stunden besetzt und 24 Stunden erreichbar ist. Das es in der Lobby Sitzgelegenheiten gibt und dass morgens ein Frühstücksbuffet angeboten wird. Das alles schafft das Hotel.

Vor ein paar Jahren schenkten meine Frau und ich uns zum Weihnachtsfest jeweils einen Reisegutschein. Jeder durfte das Ziel, das verschenkt wurde, selbst bestimmen. Meine Frau entschied sich für die Lüneburger Heide, somit bekam ich die Übernachtung in diesem Hotel als Geschenk. Für mich eine tolle Sache, über die ich mich sehr gefreut habe. Anders allerdings die Mitarbeiter des Hotels. Ich hatte bei der Buchung schon fast das Gefühl, ein Mensch zweiter Klasse zu sein. Und als ich darum bat, dass man für eines unserer Kinder vielleicht ein Zustellbett aufs Zimmer stellen könne, sagte man mir gute drei Mal, dass dieses Bett 20 Euro pro Nacht extra kosten würde. Und als ich die Buchung abschloss fragte mich die Frau: „Aber, dass das Zustellbett 20 Euro pro Nacht extra kostet und sie dementsprechend 40 Euro zusätzlich zahlen müssen, haben sie verstanden, oder?“

Gratis-Wasser? Fünf fünfzig.

Wir beziehen unsere Zimmer. Mit einem Wagen hole ich Koffer, Bettzeug für die Kids und den ganzen anderen Kram aus dem Auto. Die Flasche Wasser, die lt. Gutschein kostenlos auf dem Zimmer bereitstehen soll, kostet 5,50 Euro. Geschenkt. Eine Mini-Bar gibt es gar nicht. Der 10 Euro-Verzehr Gutschein für das Restaurant, der ebenfalls im Gutschein enthalten ist, wurde (und wird) uns gar nicht angeboten. Stattdessen müssten wir den Gutschein einmal per Mail (vorab) und einmal ausgedruckt vorlegen. Zusammen mit der Rechnung.

Eine Flasche „Magnus Medium“ ist im Handel für 65 Cent erhältlich. Gastronomen zahlen einen Lieferpreis von 70 Cent je Magnus-Imperial-Flasche. Quelle: Getränkehandel

Zum Glück sind wir nicht auf das Wasser und den Verzehr-Gutschein angewiesen und irgendwie ist es mir zu doof, danach zu fragen. Vergessen. Haken dran. Urlaub. Während die Kinder eingeschlafen sind und friedlich in ihren Betten liegen, teste ich den Fernseher. Ein wenig Entspannung durch Berieselung könnte jetzt ganz guttun. Könnte. Würde der Fernseher funktionieren. Macht er aber nicht. Na gut. Schlafen wir einfach etwas früher ein und wachen etwas fitter auf.

Mit den Wölfen heulen…

Mittwoch. 12. Juli 2017
Um 6.30 Uhr wachen wir auf. Normale Zeit. Alles gut. Zum Glück gibt es schon Frühstück. Wir machen uns fertig. Waschen. Zähneputzen. Anziehen. Kennt man. Runter mit dem Fahrstuhl. Die Jungs stehen drauf, die Knöpfe zu drücken. Es gibt Brötchen. Brot. Salami. Käse. Bierschinken. Natürlich Ei, Bratwurst, Speck und anderen Kram. Alles gut. Die Auswahl ist nicht überragend, aber okay. Vielleicht sollte man das Schild „Käseauswahl“ in „Butterkäse“ umändern. Vielleicht ist es sonntags ja anders. Keine Ahnung.

Wetterapp und Fensterscheibe sind sich einig. Es regnet. Wahrscheinlich den ganzen Tag. Und was macht man, wenn es regnet? Man fährt trotzdem los. Wir entscheiden uns für einen Besuch im Wolfcenter in Dörverden. Natürlich im Regen. Und das entpuppt sich als beste Entscheidung des ganzen Tages. Das Wolfcenter ist grandios. Es ist ein privates Wolfkompetenzzentrum in dem man viel über den Wolf erfahren kann. In einem riesigen Außengehege leben drei Wolfsrudel von denen zwei handaufgezogen sind. In einer Führung erfährt man eine Menge über die Tiere. Über ihr Verhalten. Über die Art und Weise, wie sie leben und zwischendurch wird zusammen mit den Wölfen geheult. Das gefällt besonders unseren beiden Jungs hervorragend.

Verden bei Regen

Den kompletten Vormittag halten wir uns im Wolfzentrum auf. Wenn man erstmal bis auf die Knochen nass ist, stört einen der Regen auch nicht mehr. Alles ist gut. Und so entschließen wir uns, am Nachmittag die Innenstadt von Verden zu erkunden. Zu Fuß. Ohne Schirm. Brauchen wir eh nicht mehr. Was nass ist, ist nass. Und irgendwie sind wir komplett alleine in der Innenstadt. Vereinzelt springen Menschen von Unterstand zu Unterstand, während wir über das nasse Kopfsteinpflaster spazieren.

Gegen Abend kehren wir zurück ins Hotelzimmer. Der Fernseher funktioniert immer noch nicht. Auf Nachfrage an der Rezeption erklärt man uns, dass der Techniker es nicht geschafft hat. Wir können, wenn wir möchten, umziehen. Wir möchten. Daher ziehen wir um. Auf eine andere Etage, auf der zurzeit gebaut wird. Doch zum Glück sind die Bauarbeiten zu der Zeit schon beendet und es ist ruhig.

Eine Etage über uns befindet sich ein Spielzimmer. Ein Highlight in dem Hotel. Ein großer Raum mit einem großen Bällepool. Hier können sich die Jungs ein letztes Mal verausgaben, bevor es Zeit wird gute Nacht zu sagen. Und genau das tun sie. Bis ihnen fast die Augen zufallen. Und nachdem wir sie zu Bett gebracht haben und sie friedlich schlafen, können wir ein wenig fernsehen. Wir sind Deutschland. Die besten Schlagzeilen der vergangenen Jahre. Man merkt schnell, wie verwöhnt man ist, wenn man Netflix und Amazon Prime zu Hause und die letzten Jahre auf herkömmliches Fernsehen verzichtet hat.

Vielleicht noch ein Eis?

Donnerstag. 13. Juli 2017
Abreisetag. Nach dem Frühstück checken wir aus. Die Koffer sind bereits im Auto verstaut. Die Kinder warten gespannt auf die Abfahrt. Der Magic Park in Verden steht auf dem Programm. Doch zunächst darf ich noch die Rechnung des Hotels begleichen. Ich zahle die vierzig Euro, die noch offen sind. Dann frage ich kurz nach dem Gutschein und den entsprechenden Leistungen. Neugierig bin ich schon. Auf die Frage nach dem Wasser bekomme ich keine Antwort. Und als ich den Verzehr-Gutschein anspreche, fragt man mich, ob die Kinder vielleicht noch ein Eis möchten. Die Jungs sind schon auf dem Weg zum Auto. Ich lehne dankend ab und verabschiede mich. Wir fahren weiter zum Magic-Park.

Den Magic-Park in Verden habe ich als Kind schon besucht. Damals hieß er Freizeitpark Verden. Die Stationen, die ich noch in Erinnerung habe, gibt es noch. Und für kleinere Kinder, wie unsere es sind, ist der Park lohnenswert. Allerdings muss ich gestehen, den Park größer in Erinnerung zu haben. Das allerdings ist wahrscheinlich so, weil ich damals selbst noch ein Kind und dementsprechend alles größer war. Die Jungs toben sich wieder richtig aus. Zu Mittag essen wir im Park. Danach wird weitergespielt. Irgendwann werden die Jungs müde und wir fahren nach Hause. Kurz nachdem wir die Autobahn erreicht haben, schlafen beide ein. Und sie schlafen die komplette Fahrt. Bis nach Hause.

Zum Schluss

Zugegeben. In den letzten Tagen habe ich mich hin und wieder geärgert. Über das Auto. Über die Unfreundlichkeit. Und natürlich über den Regen. Aber rückwirkend betrachtet gab es viele Sommermomente, die alles wieder gut gemacht haben. Die strahlenden Augen unserer Kinder. Die erstaunten Blicke als die Wölfe tatsächlich das Heulen erwidert haben. Das Toben im Bällebad. Und insgesamt die Freude und den Spaß, den unsere Jungs hatten. Natürlich gab es manchmal Tränen, weil manchmal eben auch Verbote ausgesprochen werden mussten. Und natürlich lief nicht alles so, wie man es sich vielleicht vorgestellt hat. Aber letzten Endes – und darauf kommt es an – waren die letzten Tage eine wunderbare Zeit, die wir als kleine Familie miteinander verbracht haben. Das überwiegt am Schluss und macht alles gut. Sehr gut. Und dafür bin ich dankbar. Immer wieder. Immer, immer wieder.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.