Wenn wir ehrlich sind, werden wir schon früh darauf konditioniert ein Leben in Sicherheit und Angepasstheit zu leben. Einen Zustand, der uns vielleicht das Gefühl des inneren Friedens vermitteln mag, aber in Wirklichkeit langsam die Abenteuerlust in uns zerstört. Vielleicht ist das der Grund, warum so viele Menschen ein unglückliches Leben führen. Und obwohl sie wissen, dass sie unglücklich sind, ergreifen sie jedoch nie die Initiative, um ihre Situation zu ändern. Selbst wenn ihnen jemand sagt, dass es das größte Abenteuer des Lebens ist, seine eigenen Träume zu leben, dann denken sie gleich daran, dass dieses, das jedes Abenteuer seinen Preis hat. Sie denken daran, dass sie scheitern können. Oder fallen. Sie machen sich Sorgen darüber, dass sie sich die Knie blutig schleifen können und denken an die Tränen, die Wut und die Angst, die sie spüren werden. So ist das nun mal mit Abenteuern. Sie fordern ihren Preis. Doch wenn man gewillt ist, ihn zu zahlen, dann kann man am Ende reich belohnt werden. Und am Anfang bedarf es nur eine Entscheidung. Allerdings ist es so: Manche Entscheidungen sind leicht und manche begleiten uns ein Leben lang.  

Es war Joseph Campbell, der einmal gesagt hat, dass es immer die Möglichkeit eines Fiaskos gibt. Aber gleichzeitig, so sagte er weiter, gibt es auch immer die Möglichkeit der Glückseligkeit. Und so stehen wir nicht selten am Abgrund, schauen in die Tiefe und fürchten uns davor, dass wir abstürzen könnten. Manchmal stehen wir an der gleichen Stelle, schauen wieder in die Tiefe und stellen uns vor, wie es wäre zu fliegen. An dieser Stelle beginnt das Spiel, in dem die einzige Frage lautet: „Was wäre wenn…“ Vielleicht verlieren wir alles. Vielleicht gewinnen wir alles. Und genau an dieser Stelle beginnt das Abenteuer, das wir Leben nennen.  

Zu großen Teilen allerdings besteht unser Leben – oder das Leben der meisten Menschen – aus Kontinuität. Einfach, weil mit dieser das Leben einfacher ist. Es ist einfacher sich im heimischen Sofa vom Fernsehen berieseln zu lassen und den heimischen Gartenzaun oder das in die Jahre gekommene Balkongeländer als Horizont zu betrachten. Hier kann man nicht verlieren. Hier muss man nichts riskieren. All das funktioniert und vielleicht ist es diese Kontinuität, dieses Gerüst selbsterdachter Sicherheit, das stabile Fundament einer funktionieren Gesellschaft. Und natürlich ist daran nichts falsch, denn wenn einen das glücklich macht, dann kann es nicht falsch sein. Aber kann man dann, am Ende, wirklich Geschichten erzählen? Und wenn ja, wer möchte diese wirklich hören?

Mit Mut fangen die schönsten Geschichten an. Die Geschichten, die man sich in einer lauen Sommernacht am Lagerfeuer erzählt. Und Mut bedeutet nun mal auch Angst zu haben. Und wenn wir an einem Punkt in unserem Leben angekommen sind, an dem wir merken, dass wir wirklich Angst haben, ist dieser Punkt vielleicht der Punkt, an dem wir darüber nachdenken sollten, einfach weiter zu gehen. Trotz der Angst. Trotz des Risikos. Und vielleicht gerade deshalb, weil wir ein Stück unserer Sicherheit aufgeben müssen. Natürlich können wir scheitern. Aber Scheitern gehört zum Leben dazu und wer Angst vor dem Scheitern hat, der vielleicht einfach nur Angst vor dem Leben. 

Es gibt ein Zitat, dass mir über die Jahre zu einem der liebsten geworden ist. Es ist ein Zitat von Michael Ende und es lautet: „Der Anfang ist immer dunkel…“ Und wer die Geschichte, die ich meine kennt, der weiß, was das bedeutet. Der Anfang ist immer dunkel…