Durch das Fenster des Hauses konnte ich über den Dächern der Siedlung die Sonne aufgehen sehen. Es war ein herrlicher Moment. Ein Augenblick der Harmonie. Ich saß auf meinem Stuhl, die Knie an der Heizung angewinkelt. Eine Tasse voll mit heißem, duftenden Kaffee zwischen meinen Händen. Das Aroma stieg mir in die Nase. Ich schloss für einen kurzen Augenblick die Augen, um den Duft voll und ganz zu genießen. Aber nur für einen kurzen Augenblick, denn ich wollte die Magie des Anfangs auf keinen Fall verpassen. 

An jedem anderen Tag hätte ich wahrscheinlich meine Kamera geschnappt und mich daran gemacht, diesen Moment festzuhalten. Doch an diesem Morgen entschied ich mich dagegen. So wie ich mich auch in den nächsten Tagen dagegen entscheiden werde. Ich bleibe zu Hause. So gut es eben geht. Eigentlich wollte ich nicht über das Alles sprechen. Eigentlich wollte ich das Leben seine Arbeit machen lassen und abwarten was passiert. Doch die aktuelle Situation bringt gerade jeden einzelnen und auch die gesamte Gesellschaft ziemlich durcheinander. Und obwohl ich gerade einen Teil der Kontrolle abgeben und das Leben geschehen lassen muss, bin ich – mal abgesehen von kleinen Momenten der Unsicherheit – ruhig und gelassen. 

Wir sind ein Teil des großen Ganzen. 

Schaue ich mir die Welt an und das, was auf ihr geschieht, wird mir ganz deutlich bewusst. Wir sind im Grunde nur ein Teil des großen Ganzen sind. Ein Teil des Universums. Mir wird bewusst, dass ich zwar mein Leben planen kann, aber es doch immer wieder Dinge gibt, über die ich keine Kontrolle habe. Das es immer wieder Dinge, Situationen und Augenblicke gibt, die einfach passieren. 

Am 2. Januar habe ich mich gefragt, wie es wäre, wenn 2020 einfach großartig wird. Ich habe mich gefragt, ob es eine gute Idee sei, dieses als einzigen Vorsatz für das neue Jahr zu nehmen. Den Vorsatz, dass 2020 großartig wird. Nun könnte ich, in Anbetracht der Situation scherzend sagen, dass es mit „Guten Vorsätzen“ nun mal so ist. Ich könnte sagen, dass ich meine Vorsätze nie über den März hinausgetragen habe. Die Wahrheit sieht aber anders aus. 

Ich habe mir in den ersten Wochen des Jahres eine Einstellung kreiert, die mir sagt, dass das Leben immer für mich und nie gegen mich ist. Ich habe für mich beschlossen, dass genau das so ist, auch wenn die Dinge, Situationen, Momente und Augenblicke einfach mal keinen genauen Sinn ergeben. Tatsächlich habe ich beschlossen, in diesem Jahr, alle Krisen, Um- und Wiederstände anzunehmen und das Beste aus ihnen zu machen. Und genau daran halte ich immer noch fest.
Mein Vorsatz für 2020: Es wird großartig!  

Die Krise ist da.

Ich möchte nichts schönreden. Nichts verharmlosen. Die Krise ist da. Und sie trifft uns alle. Große Unternehmen, kleine Betriebe, Einzelkämpfer. Sie trifft auch mich. Einige Hochzeiten, die fest eingeplant waren, brechen einfach weg. Aber das nur am Rande. Denn es geht hier nicht nur um mich. 

Wir sind alle zusammen auf dieser Erde. Und nur gemeinsam können wir die aktuelle Situation meistern. Doch solange sich immer noch Menschen unnötigerweise mit Toilettenpapier eindecken, alle Restbestände an Nudeln aufkaufen, sich Gruppenweise treffen und ganz selbstbewusst behaupten, dass es sie ja nicht betrifft, ändert sich gar nichts. Wir sitzen alle im gleichen Boot. Diese Krise ist eine Krise, in der wir zeigen können, dass wir mehr sind. Eine Krise, in der wir zeigen können, dass wir ein Leben in einem solidarischen Miteinander leben wollen. 

Es ist okay Angst zu haben.

Wer mich näher kennt, der weiß, dass ich kein Freund der Angst bin. In meinem letzten Podcast habe ich ja genau darüber gesprochen. Und doch bin ich der Meinung, dass diese Emotion menschlich und wichtig ist. Ich bin der Meinung, dass es okay ist, Angst zu haben. Gerade in diesen Tagen bemerke ich – aufgrund der sozialen Medien – dass sich in unserer Welt ein unter- aber auch oberschwelliges Gefühl von Angst einschleicht. Menschen fürchten um ihre Existenz, ihre Freiheit. Sie sorgen sich um ihre Väter und Mütter, um ihre Familie und um die Menschen, die ihnen wichtig sind. 

Ich nehme mich da nicht raus. Auch ich mache mir Sorgen. Doch ich empfinde diese Angst nicht negativ. Ich nehme sie an und verwende sie als Richtungsweiser. Und diese Richtung ist die Richtung, die mich letzten Endes zur Ruhe und Gelassenheit führt. Würde ich in die andere Richtung gehen, müsste ich gegen die Angst ankämpfen. Dieser Kampf würde mich lähmen, einengen und dafür sorgen, dass sich mein Blick an den Problemen und Sorgen festhält. Ich glaube, das Schlimmste an der Angst ist die Angst vor der Angst. Und genau daher nehme ich sie einfach an. Ich nehme sie an, als eine Emotion, die mir den Weg zeigt. 

Was ich jetzt tue

Die Zeit nutzen

Ich habe gerade mehr Zeit, denn es gibt viele Dinge, die ich einfach nicht tun kann oder tun möchte. Für mich ist die Entscheidung einfach klar, so gut es geht, zuhause zu bleiben. Ich räume mein Büro auf, schaffe Ordnung und Klarheit. Ich sortiere Dinge aus, die ich nicht mehr brauche und sorge für Struktur, die sich letzten Endes auf mein inneres überträgt.

Tatsächlich habe ich zahlreiche Bücher noch nicht gelesen.
Warum sollte ich mich nicht auf die Couch legen und lesen? 

Ich schreibe mehr. Hier. Da. Und überhaupt. Ich nutze meine Zeit, um in den Bereichen produktiv zu sein, die mir wirklich am Herzen liegen. Ich lerne, verbessere und investiere Zeit in mich und meinen Geist. Darüber hinaus nehme ich mir die Zeit, mich selbst zu reflektieren. Ich frage mich, wo ich stehe und wohin ich gehen möchte. Ich überdenke meine Werte, meine Überzeugungen und frage mich, was wirklich wichtig ist. Das führt mich zu innerer Zufriedenheit und Ruhe. 

Ich sage ganz bewusst Nein.

Tatsächlich ist es schon enorm, welche Mengen an Informationen gerade über das aktuelle Thema ausgeschüttet werden. Und ich möchte das nicht in Frage stellen oder bewerten. Ich sage für mich persönlich nur ganz bewusst Nein zu einem übermäßigen Konsum.

Ganz ehrlich? Ich habe tatsächlich einen inneren Drang dazu raus zu gehen. Ich möchte für Stunden im Wald verschwinden, frei über die nördlichen Felder laufen und alles so machen, wie ich es bislang gemacht habe. Doch ich sage Nein. Ich bleibe zu Hause. Auch wenn das vielleicht etwas überzogen klingt. Für mich habe ich diese Entscheidung getroffen. In diesen Tagen ist ein „Nein zum eigenen Ego“ für mich wichtig. Allein aus beruflichen Gründen verlasse ich das Haus, sofern das nötig ist. Mein Hund Andor ist den ganzen Tag im Garten und ich stelle ihm dort immer wieder Aufgaben, die ihn fordern und am Ende des Tages müde werden lassen. Für ihn ist das okay. 

Ruhe bewahren

In meinen Leben gab es Zeiten, die für mich wesentlich schlimmer waren. Es gab Momente, in denen ich darüber nachgedacht habe, voll und ganz aufzugeben. Tatsächlich habe ich lange gebraucht, diese Zeiten zu verarbeiten und oft habe ich sie verflucht. Doch nun machen sie auf einmal Sinn. Sie helfen mir dabei, die Ruhe zu bewahren und nicht hektisch zu werden. Sie haben mir gezeigt, dass Veränderungen möglich sind und das Veränderungen gut sein können, wenn wir lernen, sie anzunehmen. Und ja – gerade ändert sich eine Menge. Und diese Veränderungen führen irgendwie zu Chaos und Verwirrung. Trotzdem halte ich daran fest, dass sich aus diesem Chaos etwas Neues ergibt. Wir bekommen neue Erfahrungen, neue Möglichkeiten und vielleicht sogar neue Chancen. 

Weitermachen.

Weitermachen. Nicht wie bisher. Anders. Tatsächlich stecke ich selbst gerade etwas im Chaos der Zeit fest, aber jedes Chaos schenkt einem die Möglichkeit Dinge zu sortieren. Genau das werde ich jetzt tun. Ich werde in dieser Woche nach Lösungen suchen, statt mich um das Problem zu drehen. Ich werde Konzepte erarbeiten, wie es nach der Krise weitergeht und aktuelle Situationen geraderücken, damit es überhaupt weitergehen kann. Einfach wird es nicht. Vielleicht sogar schmerzhaft. Aber ich bleibe dabei, dass Alles am Ende einen Sinn hat und mein Vorsatz bleibt bestehen: 2020 wird großartig. Auch, wenn ich gerade noch nicht sagen kann wie. Aber am Ende, am Ende weiß ich es.